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Rezension | Ich bin so gütig, Dir wieder zu schreiben von Jane Austen

Reclam Taschenbuch: Ich bin so gütig, Dir wieder zu schreiben: Briefe - Jane Austen, Christian Grawe, Christian Grawe, Ursula Grawe

Meine Meinung

 

Einer der besten Wege um sich der englischen „Queen of Classic“ anzunähern besteht darin, in ihren persönlichen Briefen und Korrespondenzen zu schmökern. Leider sind nur noch Briefe aus den Jahren 1796 bis 1817 erhalten, der größte Teil davon sind Briefe an ihre innig geliebte ältere Schwester Cassandra, in denen vor allem persönliche Angelegenheiten besprochen werden. Die meisten Dokumente sind heute leider nicht mehr vorhanden, da vieles von ihrer Familie vernichtet wurde. Da lediglich Briefe aus Jane Austens Feder ab ihrem 20. Lebensjahr erhalten sind, gibt es nur wenig private Anhaltspunkte, wie ihre Kindheit ausgesehen hat und wie sie zu dieser wunderbaren Schriftstellerin heranwuchs.

 

Christian Grawe und seine Frau Ursula haben bereits alle Romane Austens in das Deutsche übersetzt und liefern mit dieser Sammlung von Jane Austens Briefen eine wunderbare Lektüre für alle Jane Austen Fans. Am besten lässt man sich die Briefe auf der Zunge zergehen, denn Jane Austens Spitzzüngigkeit und ihr Hang zur Ironie und Parodie, kommen auch hier zum Vorschein.

 

"Mrs. Hall aus Sherbourne kam gestern sechs Wochen vor der Zeit mit einer Totgeburt nieder, verursacht durch einen Schock – ich vermute, sie hat aus Versehen einen Blick auf ihren Mann geworfen." (Seite 29, Brief an Cassandra vom 17./18. November 1798)

 

"Miss Blachford ist ziemlich nett; ich möchte gar nicht, dass Leute zu nett sind, da es mir die Mühe erspart, sie besonders zu mögen." (Seite 41, Brief an Cassandra vom 24.-26. Dezember 1798)

 

Inhaltlich gesehen bekommt der Leser zudem noch einige Details über die Regency Zeit geliefert, z. B. wie musste man sich kleiden um in Mode zu sein, welche Haube war gerade angesagt, wie sah die Abendgestaltung aus, mit wem wurde getanzt und etliche weitere Informationen die das Herz eines Jane Austen Fans höher schlagen lassen.

Kaum zu glauben, dass der Schöpferin solch romantischer Klassiker selbst kein Happy End in Liebesangelegenheiten zum Teil wurde. Als kleines Trostpflaster gibt es zumindest eine mitreisende Flirterei mit dem Iren Tom Lefroy, die Jane eindrücklich in Briefen an ihre Schwester Cassandra schildert. (Basierend auf diesem Anhaltspunkt hat Jon Spence seinen Roman „Geliebte Jane“ gesponnen, zu dem es eine gleichnamige Verfilmung mit Anne Hathaway in der Rolle der Jane Austen gibt.)

 

"Du schimpfst mich in dem schönen langen Brief, den ich soeben von Dir erhalten habe, so sehr aus, dass ich mich gar nicht zu erzählen traue, wie mein irischer Freund und ich uns benommen haben. Mal Dir das verworfenste und skandalöseste Benehmen beim Tanzen und Zusammensitzen aus." (Seite 11, Brief an Cassandra vom 9./10. Januar 1796)

 

"Nun ist der Tag gekommen, an dem ich zum letzten Mal mit Tom Lefroy flirten werde, und wenn Du diesen Brief erhälst, ist alles vorbei." (Seite 15, Brief an Cassandra vom 14./15. Januar 1796)

 

Sehr gut gefallen hat mir vor allem ein Brief an ihre Schwester Cassandra, in dem Jane stolz über die ersten Eindrücke zu ihrem neu erschienen Roman „Stolz und Vorurteil“ berichtet, aus dem sie kurz nach Veröffentlichung ihrer Nachbarin Miss Benn vorlas, ohne dass diese eine Ahnung davon hatte das die Schriftstellerin persönlich anwesend ist.

 

"Sie fand es ganz witzig, die arme Seele, das konnte sie denn doch nicht verhindern bei zwei Leuten, die sie so zum Lachen anregten; aber sie bewundert Elizabeth anscheinend wirklich. Ich muss selber sagen, ich finde sie eine der hinreißensten Gestalten, die je gedruckt erschienen sind, und ich habe keine Ahnung, wie die Gnade vor mir finden sollen, denen nicht wenigstens sie gefällt." (Seite 143, Brief an Cassandra vom 29. Januar 1813)

 

Der letzte enthaltene Brief von Jane Austen ist auf den 27. Mai 1817 datiert und an ihren Bruder James Edward Austen adressiert. Janes Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends, bis sie dann am 18. Juli 2017 verstarb. Das Buch schließt mit einem traurigen Brief von Cassandra Austen an Janes Lieblingsnichte Fanny Knight, in dem sie Trost spenden möchte. Die Brief-Sammlung wird durch darauf folgende Anmerkungen zu den Texten, einer Karte Südenglands, einer Übersicht zu den familiären und freundschaftlichen Verhältnissen sowie einem Familienstammbaum der Austens abgerundet.

 

Fazit

 

Jane Austens Briefe vermitteln ein unglaublich persönliches Bild der berühmten Schriftstellerin. Vor allem für eingefleischte Jane Austen Fans ein MUST HAVE!

Quelle: http://www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-ich-bin-so-guetig-dir-wieder-zu-schreiben-von-jane-austen

Rezension | Warten auf Bojangles von Olivier Bourdeaut

Warten auf Bojangles: Roman - Olivier Bourdeaut, Norma Cassau

Beschreibung

 

George und seine außergewöhnliche Frau, die jeden Tag mit einem neuen Namen begeht, leben ein schillerndes Leben voller Tänze, Cocktails und funkelnder Abende im Kreise illustrer Freunde. Mitten in diesem bunten Paradies fühlt sich ihr Sohn pudelwohl. Doch genau wie in ihrem Lieblingssong »Mr. Bojangles« verbirgt sich hinter dem fröhlichen Anstrich eine dunkle und deprimierende Seite. Georges Frau ist schwer krank und wird in die Psychiatrie eingewiesen. Als sich die Lage verschlimmert wagen Vater und Sohn unter Anleitung der geliebten Frau und Mutter eine Befreiungsaktion, welche sie schließlich in ihr Wolkenschloss nach Spanien führt.

 

Meine Meinung

 

Dieses gelb leuchtende Cover mit einem Tanzpaar darauf hat mich sofort angesprochen. Die Rede ist von Olivier Bourdeauts Debütroman „Warten auf Bojangles“. Bereits der Klappentext verspricht ein außergewöhnliches Leseerlebnis und genau dieses Gefühl macht sich schon nach den ersten gelesenen Seiten bemerkbar.

 

"Seine Geschichte war wie seine Musik: schön, traurig und zum Tanzen." [Seite 20 (epub Version)]

 

In seinem Erstlingswerk erzählt Olivier Bourdeaut eine berührende Liebesgeschichte der anderen Art. Dabei werden die Ereignisse sowohl aus der Sichtweise des Sohnes, wie auch aus der Sichtweise des Vaters (George) beleuchtet. Hintergrund der Story ist ein kurios gezeichnetes Leben mit einer Mutter die ihren Sohn siezt und einem Vater der sich mit Lügengeschichten auskennt wie sonst keiner. Die Kindheit des Jungen ist dementsprechend in keinster Weise normal, jeder Tag bietet eine Vielfalt an neuen Möglichkeiten – man kommt sich vor wie in ein Kaleidoskop geraten.

 

"Ich sagte mir, dass mir selbst einige Tassen im Schrank fehlten und ich vernünftigerweise nicht einer Frau verfallen sollte, die gar kein Geschirr mehr im Schrank hatte, dass unsere Beziehung die eines Einbeinigen mit einer Gliederlosen wäre und dass diese Verbindung nur hinken und sich tastend in unvorhersehbare Richtungen bewgen könnte." [Seite 27 (epub Version)]

 

Während des Handlungsverlaufs spürt man deutlich, dass sich der kleine Junge weiterentwickelt und durch viel Liebe und Zuwendung zu einem rechtschaffenen Menschen heranwächst. Dieser junge Mensch versteht es dann auch mit der schwierigen Situation, die das Leben für ihn bereit hält, umzugehen. Eine Kernaussage der Geschichte kommt hier ganz deutlich zum tragen – mit Liebe und gegenseitiger Zuneigung ist alles möglich.

 

"Zu Hause log ich richtig herum, in der Schule verkehrt herum, für mich war es kompliziert, aber für die anderen einfacher." [Seite 29 (epub Version)]

 

Mit Leichtigkeit und Humor erzählt Olivier Bourdeaut eine geistreiche Familiengeschichte, die völlig bezaubernd und zugleich herzzerreißend dramatisch ist. Tänzelnd und mit Musik im Ohr schwebt man durch die Buchseiten bis einem der Hintergrund und die Tiefe der Geschichte bewusst werden. „Warten auf Bojangles“ ist für mich ein kleines Kunstwerk das sich vor allem durch seinen originellen Stil auszeichnet.

 

Fazit

 

Ein leichtfüßiger und tiefgründiger Roman der sich hervorragend als Sommerlektüre eignet.

Quelle: http://www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-warten-auf-bojangles-von-olivier-bourdeaut

Rezension | Tinte in Wasser

Tinte in Wasser: Erzählungen - Bella Bender

Meine Meinung

 

Mit „Tinte in Wasser“, einer Sammlung realistischer Lebenssituationen im Kurzgeschichtenformat, begeht die junge Autorin Bella Bender ihr Debüt.

In insgesammt fünf Erzählungen widmet sich die Autorin den unterschiedlichsten Persönlichkeiten und ihren ergreifenden Lebensgeschichten. Dabei schildert sie äußerst realistisch mit welchen Ängsten, Problemen und Hoffnungen die Charaktere ringen.

 

In der ersten Geschichte „Nur ein Treffen“ begegenen sich die alten Bekannten Iola und Bastian nach vielen Jahren wieder. Es wird ein Blick in die Vergangenheit und die seither getroffenen Entscheidungen geworfen. Dabei treten die Wünsche und Neigungen des ehemaligen Liebespaares zu Tage und führen zu einer Reflektion.

 

„Galerie“ ist die längste Kurzgeschichte in dieser Sammmlung und hat mir mit Abstand am besten gefallen. Es werden gleich mehrere Charaktere beleuchtet, vom geschäftstüchtigen Galeristen und seiner Frau über den unzufriedenen Assistenen bis hin zum Künstler und dessen jüngeren Freundin. Dies bietet eine große Palette an Konfliktmöglichkeiten die von der Autorin auf die Spitze getrieben werden.

 

In der Geschichte „Hochzeitstag“ feiert ein Ehepaar seinen dreißigsten Hochzeitstag. Der Plot ist dabei wahrlich vom Klischee behaftet. Die Eheleute haben sich auseinander gelebt und während sie schweigend zusammen sitzen, überschlagen sich ihre Gedanken. Macht es Sinn die Ehe aufgrund der Sicherheit die diese verspricht weiterhin aufrecht zu erhalten?

 

In den zwei letzten Geschichten „Endhaltestelle“ und „Es geht mir gut“ geht es um intensive Gefühle und Trauer.

 

Obwohl ich nicht der große Fan von kurzen Erzählungen bin hat mich Bella Benders Debüt gut unterhalten. Durch die lebensnahen Geschichten fühlt man sich den Protagonisten schnell nahe und schlüpft in diverse Emotionen und Denkweisen.

Zu diesem schlichten und dennoch ergreifenden Erstlingswerk kann man der Autorin nur gratulieren.

 

Fazit

 

„Tinte in Wasser“ lädt zu einer Reise durch Gedanken, Gefühle und Emotionen ein, die zum schweifen verleitet.

Quelle: http://www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-tinte-in-wasser-von-bella-bender

Rezension | Witziges und Weises, Geniales und Gemeines von Jane Austen

Witziges und Weises, Geniales und Gemeines von Jane Austen (insel taschenbuch) - Jane Austen, Katrin Eisner

Meine Meinung

 

Der Titel verrät es auf den ersten Blick, hier wird dem Leser „Witziges und Weises, Geniales und Gemeines“ von der beliebten englischen Klassikerin Jane Austen versprochen. Katrin Eisner hat auf knapp 170 Seiten eine Zitat-Auswahl aus Jane Austens Œuvre versammelt, die genau durch solche Anekdoten unterhalten.

Die spitzen Zitate werden durch farbige Gestaltung und durch Muster hervorgehoben. Eine wahre Augenweide für Liebhaber bibliophiler Ausgaben.

 

"Gerade eine Frau, die das Unglück hat, viel zu wissen, täte gut daran, es möglichst zu verbergen.
(Die Abtei von Northanger)"  (Seite 8)

 

Diese Sammlung eignet sich durch die hübsche Aufmachung hervorragend als Präsent (man kann sich damit auch einfach mal selbst beschenken). Durch die gelungene Aufteilung in zehn tehmatische Kapitel (Frauen und Männer, Das ideale Paar, Herzensangelegenheiten, Vom (Un)Glück der Ehe, Ewige Schönheit und Jugend, Die wahren Werte – Bildung und Charakter, Die eigentlichen Werte – Reichtum und Karriere, In bester Gesellschaft, Aus dem Leben gegriffen, Die schönste Nebensache der Welt) lässt sich das Büchlein auch als Nachschlagewerk verwenden.

 

Fazit

 

Eine hübsch verpackte Sammlung austenscher Ergüsse die auch noch in der heutigen Zeit zum lachen anregen.

Quelle: http://www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-witziges-und-weises-geniales-und-gemeines-von-jane-austen

Rezension | Jane Austen über die Liebe

Jane Austen über die Liebe (insel taschenbuch) - Jane Austen, Felicitas von Lovenberg, Felicitas von Lovenberg, Angelika Beck, Margarete Rauchenberger

Meine Meinung

 

In diesem feinen Büchlein hat die deutsche Journalistin Felicitas von Lovenberg Auszüge aus Jane Austens Texten ausgewählt und zusammengestellt die sich mit dem schönen und vielseitigen Gefühl der Liebe beschäftigen. Für einen guten Lesefluss wurden die Texte in sechs Kapitel unterteilt, die perfekt die Irrungen und Wirrungen einer sich anbahnenden Liebe bis hin zur Heirat präsentieren.

 

Die wiedergegebenen Textstellen sind für Jane Austen Kenner natürlich nichts neues, beziehen sie sich doch meist auf die bekannten Romane der Autorin. Es sind allerdings auch Auszüge aus Jane Austens Jugendwerken und unvollendeten Romanen mit dabei (die aller Wahrscheinlichkeit nach noch nicht jedem Leser bekannt sind).

 

Abschließend gibt es ein sehr lesenswertes Nachwort von Felicitas von Lovenberg in dem sie Jane Austens Auffassung der Liebe und Heirat treffend darstellt. Liebe und Verstand gehen darin Hand in Hand, was sich wunderbar mit meiner Vorstellung vereint. Jeder der Jane Austen in die rosarote Romantikecke gestellt haben sollte, wird mit diesem Werk eines besseren belehrt. Faszinierend ist vor allem, dass Jane Austens Betrachtungen keineswegs veraltet sind – man könnte dieses Büchlein ebensogut als Ratgeber in Herzensangelegenheiten herausgeben.

 

"Jane Austens romantische Botschaft hat also mit Romantik wenig zu tun, dafür umso mehr mit Herzensbildung und gesundem Menschenverstand. Sie lautet, daß es nicht nur das Recht, sondern die Verpflichtung gibt, sich den Lebenspartner mit Bedacht auszusuchen und, falls sich kein geeigneter Kandidat findet, resolut allein zu bleiben." (Seite 135)

 

Diese gelungene Zusammenstellung von Texten aus austenscher Feder ist in meinen Augen vor allem etwas für richtige Liebhaber die sich für einen kurzweiligen Nachmittag in die mitreisende Welt der Regency träumen wollen, aber nicht gleich einen kompletten Roman lesen möchten. Außerdem eignet es sich auch super als Geschenk um die Austen-Liebe weiter zu reichen.

 

Fazit

 

Nie hat jemand die Liebe so schonungslos durchleuchtet und bloßgestellt wie Jane Austen! Eine herzerfrischende Lektüre mit Sinn und Verstand.

Quelle: http://www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-jane-austen-ueber-die-liebe-von-jane-austen
Jane & Miss Tennyson - Emma Mills, Katharina Diestelmeier

Beschreibung

Devon Tennyson ist ein ganz normales Mädchen. Sie besucht die High-School, ist ein großer Football-Fan, und ist über beide Ohren in ihren besten Freund Cas verliebt. Devons absolute Lieblingsschriftstellerin und Vorbild in Sachen Liebe ist Jane Austen. Doch das Leben wäre ohne Veränderungen ja kein richtiges Leben. Für Devon ändert sich alles, als ihr sonderlicher Cousin Foster ein Teil ihrer Familie wird.

 

Völlig überraschend zeigt sich, dass in Foster ein großes Football-Talent steckt. Erst kürzlich zog Ezra, der aufstrebende Star am Football-Himmel in die Stadt und nimmt sich gleich der Förderung von Fosters Talent an. Devon kommt somit dem anscheinend unausstehlichen und unnahbaren Ezra näher. Denn sie bekommt die andere, freundschaftliche und liebevolle Seite von Ezra zu sehen. Ezra liest sogar die Bücher von Devons Lieblingsschriftstellerin Jane Austen, obwohl er zunächst dachte „Stolz und Vorurteil“ sei die Fortsetzung von „Verstand und Gefühl“.

 

Meine Meinung

 

Das Königskind „Jane & Miss Tennyson“ von Emma Mills hat mich durch die hübsche Aufmachung (vor allem der schön gestaltete Buchdeckel) sofort angesprochen – außerdem verehrt die Hauptprotagonistin Jane Austen genauso sehr wie ich! Es war einfach Liebe auf den ersten Blick und schließlich auch das Monatsbuch im Juli beim Jahr der Königskinder (#JdKöKi).

 

Emma Mills erzählt in ihrem Debütroman eigentlich eine ganz normale Highschool-Story von Liebe und Football. Doch beim näheren Betrachten steckt hinter der Geschichte über Devon, ihren Cousin Foster und den Football-Star Ezra viel mehr! Es geht um den Zusammenhalt der Familie, Geschwisterliebe, Freundschaft und natürlich um das Finden der großen Liebe – ganz im Stil von Jane Austen.

 

"Dann sehnte ich mich nach dem Universum da draußen, in dem Cas und ich zusammen waren, und hasste dieses, in dem das nicht der Fall war." (Seite 83)

 

Genau wie Marianne Dashwood in Jane Austens Roman „Verstand und Gefühl“ ist Devon auch zuerst in den „Falschen“ verliebt und erkennt erst später ihre wahren Gefühle für einen Mann der sie genauso liebt, wie sie ihn. Passenderweise ist genau dieses Buch Devons aktuelle Lektüre in der Geschichte. Ein paar kleine Unterschiede gibt es dann aber doch, Devon liebt ihren besten Freund schon seit Jahren, im Gegensatz dazu hat sich Marianne Dashwood erst durch einen Unfall in ihren Retter Willoughby verliebt. Beide Frauen werden sich darüber bewusst, dass ihre Liebe nicht erwidert wird und finden schließlich zu einem Mann, der durch Schüchternheit seine Gefühle nicht so leicht zum Ausdruck bringen kann.

 

"»Man kann schließlich nicht gegen etwas sein, mit dem man sich nicht ausführlich auseinander gesetzt hat, oder?«" (Seite 129)

 

Der Bezug zur berühmten englischen Autorin Jane Austen zieht sich unterschwellig durch den ganzen Roman. Vor allem Austen Fans dürfte Emma Mills Erzählstil und die unaufgeregte Geschichte über Freundschaft, Toleranz, Glück und Liebe überzeugen. Die spannende Dynamik des Romans ergibt sich aus der unglaublichen Nähe, die man zu den Charakteren aufbaut, ergänzt durch einen realistischen Plot.

 

Besonders hervorheben möchte ich hierbei die lebendig gestalteten Persönlichkeiten. Egal, ob Hauptprotagonist oder Nebendarsteller, jeder Charakter wurde mit viel Liebe fürs Detail erschaffen und somit deckt Emma Mills eine prächtige Palette an einzigartigen Figuren ab. Die Protagonisten haben Ecken und Kanten wie sie Jedermann hat, dadurch erhält der Roman eine authentische Note und als Leser findet man leichten Zugang zu den Persönlichkeiten. Diese wachsen einem während des Lesens wie gute Freunde ans Herz, so dass man den Buchdeckel am liebsten nicht schließen möchte.

 

"Ich stürzte mich gerade kopfüber in ein reines, unnachgiebiges Peinlichkeitsmeer der allerübelsten Highschoolsorte: Ich tauchte uneingeladen bei einer Party auf." (Seite 377)

 

Emma Mills reiht sich mit ihrem bezaubernden Roman „Jane & Miss Tennyson“ in die Reihe meiner Lieblingsstücke aus dem Königskinder Imprint des Carlsen Verlags ein. Am liebsten würde ich den Roman gleich noch mal lesen!

 

Fazit

 

Ein Roman der durch leise Töne und authentische Charakter überzeugt.

Quelle: http://www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-jane-miss-tennyson-von-emma-mills

Rezension | The Hate U Give von Angie Thomas

The Hate U Give - Angie Thomas

Beschreibung

 

Starr ist sechzehn Jahre alt und lebt in zwei grundverschienen Welten. Den Tag verbringt sie in einer Privatschule, an der sie zu den wenigen Schwarzen gehört. Der Rest ihres Lebens spielt sich in Garden Heights, einem armen Stadtviertel für Schwarze ab, in dem es auch zu Ausschreitungen kommt.

 

Nach einer Party wird Starr Zeugin eines schrecklichen Verbrechens. Kahlil, ihr bester Freund seit Kindertagen, wird vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen. Plötzlich steht Starr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und muss all ihren Mut zusammen nehmen um für Gerechtigkeit zu kämpfen.

 

Meine Meinung

 

Angie Thomas Jugendroman „The Hate U Give“ ist ein bildgewaltiges Debüt mit Gänsehautfaktor. Bereits vor der deutschen Veröffentlichung zog der Roman große Aufmerksamkeit auf sich und wurde bereits auf einigen Seiten besprochen. Der besondere Hype um das Buch zeichnet sich auch dadurch aus, dass bereits vor der Bucherscheinung die Filmrechte vergeben wurden.

 

Natürlich wollte ich mich nun selbst von der Einzigartigkeit dieser Story überzeugen und herausfinden, ob der Hype um Angie Thomas Debütroman gerecht ist.

 

"Abschiede schmerzen am meisten, wenn der andere nicht mehr da ist." (Seite 80)

 

Angie Thomas wurde durch den Oscar Grant Fall, bei dem 2009 ein schwarzer Jugendlicher von einem Polizisten getötet wurde, zu ihrem Roman inspiriert. Bei „The Hate U Give“ steht ein ähnlicher Fall im Mittelpunkt des Geschehens. Nachdem Starr hautnah miterlebte wie ihr Freund Khalil grundlos von einem Polizisten erschossen wird, steht sie an einer Wegscheide ihres Lebens. Sie wird knallhart mit den zwei Welten konfrontiert in denen sie lebt und kann nicht länger die Augen vor Rassismus und Gewalt verschließen.

 

"Manches muss ich für mich behalten […]. Denn hat man einmal die kaputten Seiten von jemanden gesehen, dann ist das so, als hätte man denjenigen nackt gesehen – man wird ihn danach nie mehr so wie früher betrachten." (Seite 99)

 

Die Schriftstellerin hat einen wunderbaren Erzählrythmus durch den man in Null-Komma-Nichts mitten ins Geschehen katapultiert wird. Das Ganze wird durch die passende Sprache im (Straßen)Slang hervorrragend untermalt. Schonungslos spricht Angie Thomas schwer verdauliche Themen wie Rassismus, Gewalt, Drogen genaus an wie Freundschaft, Zusammenhalt und den Mut sich selbst zu finden und mit seiner Stimme etwas zu bewegen.

 

"»Mutig sein bedeutet nicht, dass du keine Angst hast,[…]. Es bedeutet, dass du was tust, obwohl du Angst hast.«" (Seite 375/376)

 

„The Hate U Give“ spricht zudem einen weiteren interessanten Aspekt an. Starr befindet sich mittem im Prozess des Erwachsen werdens, welcher durch traumatische Erlebnisse mindenstens genauso erschwert wird, wie durch das Gefühl in zwei verschiedenen Welten zu leben, die nicht miteinander vereinbar sind. Angie Thomas spendet Menschen wie Starr durch ihr Buch jede Menge Hoffnung und Mut. Weißen Menschen bietet sie hingegen einen tiefen Einblick in die Gesellschaft (Kultur) und Gefühle der Schwarzen – das sollte uns alle näher zusammen bringen!

 

"Meine zwei Welten sind soeben aufeinandergeprallt. Aber erstaunlicherweise ist dabei nichts passiert." (Seite 404)

 

Fazit

 

Dieser Roman über Rassismus, Mut, Gerechtigkeit und Freundschaft trifft direkt ins Herz. Jeder sollte ihn gelesen haben!

Quelle: http://www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-the-hate-u-give-von-angie-thomas

Rezension | Babylon von Yasmina Reza

Babylon: Roman - Yasmina Reza, Frank Heibert, Hinrich Schmidt-Henkel

Beschreibung

 

Elisabeth gibt zum ersten Mal in ihrem Leben eine Party. Es fehlt ihr daher nicht nur an Gläsern sondern auch an Stühlen. Wieso diese also nicht von den Nachbarn, Jean-Lino und Lydie, einen Stock höher ausleihen? Selbstverständlich werden diese dann auch zur Party eingeladen. Trotz der ganzen Aufregung läuft die Frühlingsfeier ganz gut, bis es durch ein Bio-Hühnchen zu Spannungen zwischen Jean-Lino und Lydie kommt.

 

Alle Gäste sind aufgebrochen, Elisabeth und ihr Mann Pierre zu Bett gegangen – es klingelt an der Wohnungstür. Völlig aufgelöst steht Jean-Lino da und berichtet, dass er seine Frau erwürgt hat. Um sich von dem Unglaublichen zu überzeugen, gehen Elisabeth und Pierre in die Wohnung über ihnen. Jean-Lino bittet Elisabeth um Hilfe.

 

Meine Meinung

 

Die französische Schriftstellerin Yasmina Reza ist nich nur durch ihre Romane, sondern auch durch ihre erfolgreichen Theaterstücke wie z. B. „Der Gott des Gemetzels“ bekannt. Laut ersten Rezensionen hält sich Yasmina Reza auch in ihrem neuen Roman „Babylon“ an ihrem altbekannten Erfolgsrezept fest. Bisher ist mir nur die Filmversion von „Der Gott des Gemetzels“ bekannt, ihre Bücher habe ich bisher nicht gelesen – daher kann ich dazu keine Aussage treffen.

 

"Alles ist ungewiss. Das ist eine Grundkonstante des Daseins." [Seite 20 (epub Version)]

 

Die Autorin führt den Leser gekonnt in eine völlig alltägliche Lebenssituation mit authentischen Charakteren. Elisabeth lebt mit ihrem Mann Pierre im 17. Arrondissement in Deuil-l’Alouette und ist als Gastgeberin ihrer ersten Frühlingsparty ziemlich aufgeregt. Die Feier verläuft in ganz normalen Bahnen, es wird geplaudert, getrunken und gespeist – bis ihr Nachbar Jean-Lino zur Erheiterung der Gesellschaft eine Anekdote über Bio-Hühnchen beisteuert. Die Situation eskaliert. Das ganze Ausmaß der aus dem Ruder gelaufenen Situation wird jedoch erst später klar, als Jean-Lino beichtet seine Frau erwürgt zu haben.

 

Die Spannung des Romans ergibt sich hierbei nicht aus der Tat oder Auflösung des Tathergangs, sondern aus der urkomischen Alltagssituation die einen sogartig erfasst. Mit einem Augenzwinkern zeigt Yasmina Reza neben der alltäglichen Belanglosikeit menschliche Abgründe auf und spinnt ein einzigartiges Beziehungsnetz.

 

Rezas pointierte Dialoge verleihen dem Werk eine lebhafte Atmosphäre, die einem Theatererlebnis gleicht. In „Babylon“ wird klar, wie dünn die Schicht zwischen beherrschter Bourgeoisie und den wahren Tiefen der Menschlichkeit ist. Schon der kleinste Riss löst Chaos aus – genau so eine Situation hat Yasmina Reza in Perfektion zu Papier gebracht. Das Schönste an der Geschichte – man kann sich wunderbar in Plot und Protagonisten hineinversetzen da sie so alltäglich und unaufgeregt daher kommen. Ein jeder könnte dies erleben und sich selbst von der tragischen Dramatik dieser ungewollt komischen Szenerie überzeugen.

 

"Die Sprache drückt nichts anderes aus als die Unfähigkeit, sich mitzuteilen." [Seite 63 (epub Version)]

 

Fazit

 

Ein unterhaltsamer Roman über Menschen, menschliche Abgründe und deren Beziehungen.

Quelle: http://www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-babylon-von-yasmina-reza

Rezension | Jane Austen. 100 Seiten von Christian Grawe

Jane Austen. 100 Seiten (Reclam 100 Seiten) - Christian Grawe

Meine Meinung

 

Dieses kleine grüne Büchlein ist Bestandteil der 100 Seiten Reihe des Reclam Verlags. Für Jane Austen Kenner ist Christian Grawe, der Autor des Büchleins, kein unbekannter Name, denn dieser Professor und Germanist hat einen großen Teil dazu beigetragen die englische Schriftstellerin im deutschen Raum bekannt zu machen. Gemeinsam mit seiner Frau Ursula Grawe hat er die Werke und Briefe Jane Austens ins Deutsche übersetzt und eine Biographie sowie einen Führer durch Jane Austens Werke geschrieben.

 

Auf diesen 100 Seiten fasst Christian Grawe wissenswertes über das Leben der Autorin, die Zeit und die Orte in denen sie gelebt hat, ihre Familie und Verwandten zusammen. Ihre Bücher werden für meinen Teil etwas zu ausführlich besprochen und die Lese-Kostproben nehmen in meinen Augen etwas zu viel Platz in diesem dünnen Büchlein ein. Für Jane Austen Neulinge dürfte es aber durchaus anregend und interessant sein.

 

Lobende Rezensionen werden genauso erwähnt wie Jane Austens schärfste Kritiker (darunter Mark Twain, Charlotte Brontë). Dabei bekommt man deutlich vor Augen geführt, wie Jane Austen bereits zu ihrer eigenen Zeit polarisierte.

 

"[…]Sie beschäftigt sich nicht halb soviel mit dem menschlichen Herzen wie mit den menschlichen Augen, Mündern, Händen und Füßen." (Charlotte Brontë, Seite 75)

 

"[…]Jedes Mal, wenn ich Stolz und Vorurteil lese, möchte ich sie ausgraben und ihr mit ihrem eigenen Schienbein den Schädel einschlagen." (Mark Twain, Seite 76)

 

Im letzten Teil des Buches befasst sich der Autor mit einer Auswahl von Verfilmungen und empfiehlt eine Reihenfolge in der man Jane Austens Romane am besten genießen kann. Die Empfehlung der Lese-Reihenfolge ist vor allem eine Hilfestellung für Austen-Neuleser (Ich persönlich habe die Romane bereits vor einigen Jahren gelesen und würde bei meiner Auswahl immer nach der momentanen Gefühlslage auswählen). Mein All-Time-Favorites sind „Stolz und Vorurteil“ und „Emma“, da mir diese beiden Werke am spritzigsten erscheinen und einfach zu jeder Lesestimmung passen.

 

„Jane Austen. 100 Seiten“ ist das perfekte Buch für alle die wenig Zeit haben und trotzdem etwas über die berühmte englische Schriftstellerin erfahren wollen. In komprimierter Form werden wichtige Eckpunkte, die sich auch in den Jane Austen Biographien finden, äußerst ansprechend und kurzweilig dargestellt. Sollte dieses Buch die Neugier auf „mehr“ geweckt haben kann ich die Biographie „Darling Jane“ und „Jane Austens Romane. Ein literarischer Führer“ von Christian Grawe sowie „Jane Austen. Eine Entdeckungsreise durch ihre Welt“ von Holly Ivins empfehlen.

 

Fazit

 

Der perfekte Jane Austen Crash-Kurs!

Quelle: http://www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-jane-austen-100-seiten-von-christian-grawe

Rezension | Jane Austen. Ein literarischer Führer

Reclam Taschenbuch: Jane Austens Romane: Ein literarischer Führer - Christian Grawe

Meine Meinung

"Zweihundert Jahre nach ihrem Tod ist sie eine internationale »Kultfigur« und wird auf erstaunliche Weise verehrt und…vermarktet: Jane-Austen-Handtücher, -Trinkbecher, -Einkaufstaschen, -Puppen sind nur einige der Devontionalien, die zum Kauf angeboten werden." (Seite 17)

Zuerst betrachtet Christian Grawe in seinem Sachbuch „Jane Austens Romane. Ein literarischer Führer“ das Œuvre der Autorin, welches Jugendwerke, die Romane und ihre unvollendeten Romanfragmente, einschließt. Nach einer kurzen Einführung lernt man Austens Epoche und ihre Welt im beschaulichen Süden Englands mit Hilfe von „kurz & knackig“ gehaltenen Artikeln kennen.

"Das Buch folgt keiner bestimmten interpretatorischen Richtung oder Schule. Es ist elektisch und nimmt auf, was immer die Lektüre von Austens Romanen bereichern könnte und zum Verständnis ihrer Kunst beiträgt." (Seite 19)

In den informativen Abschnitten geht es z. B. um die Dienerschaft, Alte Jungfern, Ehen, Erziehung, Umgangsformen, Tagesrythmus, Schauerromane, und vieles mehr das für den Austen-Leser von Interesse ist. Zuerst hatte ich meine Bedenken bei dieser Darstellungsform, doch je mehr ich gelesen habe, desto größer wurde meine Begeisterung. Christian Grawe hat es mit diesem Buch geschafft, die wichtigsten Fakten zusammen zu tragen und sie in einer angenehmen Kompaktheit zu präsentieren. Außerdem eignet es sich super als Nachschlagewerk, dass man beim Lesen eines Austen Romans zu Rate ziehen kann.

Die umfrangreichen Informationen bereiten vor allem Austen-Neuleser hervorragend auf die Lektüre von Austens Romanen vor, so dass Pointen und parodiestische Anspielungen sofort ins Auge fallen.

"Gerade in der Darstellung des Alltäglichen erreichte sie eine schwer zu überbietende Vollkommenheit, die schon ihr berühmtester früher Kritiker, Sir Walter Scott, erkannte: »Diese junge Dame hatte eine Begabung, die Probleme und Gefühle alltäglicher Charaktere zu schildern, wie ich es so ausgeprägt noch nie erlebt habe.«" (Seite 214)

Fazit

Die perfekte Vorbereitung und Ergänzung zu Austens Klassikern!

Quelle: http://www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-jane-austens-romane-ein-literarischer-fuehrer-von-christian-grawe

Rezension | Bis die Sterne zittern von Johannes Herwig

Bis die Sterne zittern - Johannes Herwig

Beschreibung

 

Der sechzehnjährige Harro lebt mit seiner Familie in Leipzig. Zur Zeit des zweiten Weltkrieges finden sich nich nur Symphatisanten des Nationalsozialismus und die Hitlerjugend in Leipzig, sondern es schließen sich mutige Jungen und Mädchen zu oppositionellen Jugendbewegungen, die so genannten „Leipziger Meuten“ zusammen.

 

Harro freundet sich mit einem Nachbarsjungen an und kommt durch ihn in eine solche Jugendclique. Ärger mit den Eltern, Probleme in der Schule und die Konfrontation mit dem Nazi-Regime sind vorprogramiert. Harro und seine Freunde unterscheiden sich nicht nur durch ihren Kleidungsstil von den anderen Jugendlichen – sie wollen frei sein und sich nicht der Ideologie unterwerfen.

 

Meine Meinung

 

Johannes Herwig befasst sich in seinem Jugendroman „Bis die Sterne zittern“ mit den Jugendcliquen, den so genannten „Leipziger Meuten“ die sich zur Zeit des zweiten Weltkriegs in Leipzig geblidet haben.

 

Im Mittelpunkt der Handlung steht der sechzehnjährige Harro der sich gerade in der Übergangsphase vom Jugendlichen zum Erwachsenden befindet. Diese Phase erscheint vor dem schwierigen Hintergrund der NS Zeit besonders problematisch. Neben der Suche nache der eigenen Persönlichkeit stellt sich Harro zusätzlich die Frage, ob er mit dem Strom der Zeit schwimmen soll. Nachdem er sich einer Jugendclique angeschlossen hat zeichnet sich sein Standpunkt klar ab.

 

"Wenn auch nur eine Person der beiden Fraktionen eine falsche Bewegung machte, würde das Jüngste Gericht losbrechen." (Seite 16)

 

Die Persönlichkeit von Harro ist sehr authentisch gezeichnet und man kann sich sehr schnell in seine Lebenssituation hineinversetzen. Freundschaft und die ersten Schritte in der Liebe sowie die Rebellion gegen das Nazi Regime bieten dem Leser eine emotionale wie auch spannende Lektüre. Schon bald kann man sich der sogartigen Wirkung der Geschichte nicht mehr entziehen und fiebert mit Harro mit.

 

"Und an diesem Tag war es der Ort, an dem das Eltern-Sohn-Gespräch schon aus den Bücherregalen grinste, bevor irgendjemand überhaupt etwas gesagt hatte." (Seite 25)

 

„Bis die Sterne zittern“ beruht bei Weitem nicht nur reiner Fiktion, denn die Leipziger Meuten gab es seit Mitte der 1930er Jahre tatsächlich. In seinem Roman erschafft Johnnes Herwig einen glaubwürdigen Rahmen – genau so kann man sich das Leben eines Jugendlichen in dieser Zeit vorstellen. Ich hätte mir allerdings etwas mehr Hintergrundinformationen zu den politischen Aktivitäten der Jugendcliquen gewünscht.

 

"»Kommt mir bekannt vor, was du erzählst«, sagte Josephine schließlich. »Das große Schweigen zu Hause.«"  (Seite 57)

 

Johannes Herwig ist ein mitreißender Debütroman gelungen, der nicht nur geschichtlich interessierte Jugendliche anspricht, sondern auch erwachsenen Lesern einen interessanten Einblick in die mutigen Gruppierungen der Jugendcliquen zur NS-Zeit zu bieten hat.

 

"Über mir rauschten die Blätter. Und in )mir rauschte das Gefühl, Teil einer großen Sache zu sein." (Seite 67)

 

Fazit

 

Ein authentisch gezeichneter Roman der Fiktion mit Geschichte vereint.

Quelle: http://www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-bis-die-sterne-zittern-von-johannes-herwig

Rezension | By a Lady von Rebecca Ehrenwirth und Nina Lieke

By a Lady: Das Leben der Jane Austen - Rebecca Ehrenwirth, Nina Lieke

Kürzlich habe ich bereits die Biographie »Darling Jane« des Jane Austen Experten Christian Grawe gelesen und war dementsprechend sehr gespannt auf das jüngere Werk der beiden Autorinnen Rebecca Ehrenwirth und Nina Lieke.

 

Das Cover zeigt passend zum Inhalt Jane Austen in der Rückansicht, gemalt wurde das Aquarell von ihrer Schwester Cassandra Austen um 1804.

 

Bereits die Inhaltsangabe macht deutlich, dass diese Biographie der bereits erwähnten Biographie von Christian Grawe in nichts nach steht. Nach einen stimmigen Vorwort taucht man in ein längst vergangenes Zeitalter ein und macht Bekanntschaft mit den Sitten und Gebräuchen der Gesellschaft der Regency.

 

"[…]ihr erster enthaltener Brief stammt aus Janes 21. Lebensjahr, und somit sind die Randnotizen ihrer Zeitgenossen und die viktorianisch geschönten Urteile ihrer Familie alles, was wir haben." (Seite 57)

 

Obwohl kaum etwas über Jane Austens Kindheit und Jugendjahre bekannt ist, haben Rebecca Ehrenwirth und Nina Lieke ein zartes Bild skizziert, dass von den familiären Persönlichkeiten und ihrem Heimatort Steventon eingerahmt wird. Jane Austens Familienmitglieder und ihre nächsten Verwandten werden beschrieben (teilweise bebildert) so dass der Leser sich einen guten Überblick von Jane Austens Umfeld und ihrem Leben verschaffen kann.

 

Große Teile der Biographie werden anschließend den Jugendwerken und Jane Austens Weg zur Romanschriftstellerin gewidmet. In diesem Abschnitt werden die einzelnen Werke (Handlung, Protagonisten) näher durchleutet und betrachtet. An dieser Stelle würde ich Lesern, die Jane Austens Romane noch lesen möchten, empfehlen, dieses Kapitel zu überpringen um nach der Roman Lektüre darauf zurück zu greifen.

 

Sehr ansprechend ist der letzte Abschnitt „Jane Austen lebt! Begegnung mit der Popkultur“ in dem Jane Austens Einflüsse in der heutigen Kultur betrachtet werden. Hier macht man beispielsweise Bekanntschaft mit Literaturverfilmungen, Neuinterpretationen der Austen Werke und allerhand Accessoires, die vor allem in England stark vertreten sind.

 

Rebecca Ehrenwirth und Nina Lieke haben in „By a Lady. Das Leben der Jane Austen“ aus den wenigen Quellen ein anschauliches Bild der englischen Lady mit der scharfen Beobachtungsgabe und der spitzen Zunge gezeichnet. Durch den leicht verständlichen und frischen Stil ist diese Biographie für Laien genauso gut zugänglich und lesenswert wie für richtige Janeites.

 

Fazit

 

Durch diese Biographie wird dem Leser die einzigartige und außergewöhnliche Jane Austen näher gebracht.

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Rezension | Darling Jane von Christian Grawe

"Darling Jane" Jane Austen - eine Biographie - Christian Grawe

"In Deutschland war sie, soweit ihre Bücher überhaupt verfügbar waren, lange ein Geheimtipp." "(Seite 9)

 

Jeder, der die einzigartigen Klassiker von Jane Austen gelesen hat, und sich in die Bücher verliebt hat, wird unweigerlich mehr über die besondere Autorin hinter den Geschichten erfahren wollen. Bei der Neuauflage von Christian Grawes Biographie »Darling Jane« ist man sehr gut aufgehoben und lernt die bis heute erfolgreichste englische Autorin näher kennen.

 

Jane Austen war zu ihren Lebzeiten noch nicht ansatzweise so berühmt wie heute. Daher gibt es leider nur wenige Aufzeichnungen über die Schriftstellerin an der sich die Biographen orientieren können. Die aussagekräftigsten Schriftstücke sind daher die noch vorhandenen und nicht der familiären Zensur zum Opfer gefallenen Briefe an ihre Schwester Cassandra sowie die Aufzeichnungen einiger Verwandter (Nichten und Neffen).

 

Die Schriftstellerin wurde am 16. Dezember 1775 in Steventon (Hampshire, Großbritannien) geboren, wo sie fast ihr ganzes Leben verbrachte, sie verstarb im Alter von nur 41 Jahren als unverheiratete Frau im Kreis ihrer Familie. Zu ihrer Lebzeit befand sich Großbritannien über die meiste Zeit im Krieg mit Frankreich. Doch Jane Austens Alltag beeinflussten die politischen Turbulenzen nicht, sie führte mit ihrer Familie ein beschauliches Leben im Süden Englands und gehörte als Tochter des Landpfarrers William George Austen der „Gentry“ an. Genau dieser gesellschaftliche Rahmen ist auch der Schauplatz für Jane Austens Romane.

 

Christan Grawe rückt mit seiner Biographie über Jane Austen, die dokumentierten Tatsachen in den Mittelpunkt und beleuchtet diverse Aspekte ohne dabei in Spekulationen abzudriften. Es wird das Bild einer gebildeten Frau gezeichnet, die sich vor allem auf die Beobachtung der Gesellschaft verstand und daher als stille Randperson kaum wahrgenommen wurde, die gerne tanzte und sich in späteren Jahren herzlich um ihre Nichten und Neffen kümmerte (bei denen Miss Jane Austen wohl auch sehr beliebt war). Die schriftstellerische Tätigkeit von Jane Austen war lange ein Geheimnis das nur einigen engen Familienmitgliedern bekannt war. Austens Romane erschienen anonym unter dem Pseudonym „By a Lady“.

 

"Beide Mädchen zeichneten sich durch ihr ausgeglichenes Temperament aus. … Cassandra habe »das Verdienst, ihr Temperament immer unter Kontrolle zu haben, aber Jane habe das Glück, dass sie ihr Temperament nie unter Kontrolle zu haben brauche«." (Seite 32)

 

Der Leser erhält Hintergrundinformationen über das Jahrhundert in dem Jane Austen gelebt, und über das sie geschrieben hat, und wie ihre Werke (insbesondere ihre Jugendwerke und unvollendete Romanfragmente) einzuordnen sind.

 

Fazit

 

Eine gelungene Biographie in der die wenigen bekannten Details über Jane Austen aufgegriffen werden.

Quelle: http://www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-darling-jane-von-christian-grawe

Rezension | Hexensaat von Margaret Atwood

Hexensaat: Roman (German Edition) - Margaret Atwood, Brigitte Heinrich

Beschreibung

 

Felix lebt für das Theater und liebt seine Arbeit als Direktor und Regisseur bei dem Makeshiweg Theater Festival. Mit seine Aufführrugen die durch ihre Ausergewöhnlichkeit bestechen, zählt Felix zu den Stars der Theaterszene. Demnächst möchte er mit „Der Sturm“ ein Stück von Shakespeare auf die Bühne bringen, mit dem er gleichzeitig einen privaten Schicksalsschlag zu verarbeiten hofft. Durch seine rechte Hand Tony kann sich Felix rein auf die kreative Schaffensphase konzentrieren und bemerkt dabei die sich langsam anbahnende Katastrophe nicht.

 

Durch eine hinterhältige Intrige wird Felix von seinem Posten enthoben und sein geplantes Stück auf Eis gelegt. Seiner Hoffnung beraubt zieht sich Felix vollkommen von der Gesellschaft zurück und beginnt ein einsames Dasein als Einsiedler. Jahre später bekommt Felix die Gelegenheit Rache an seinem Verräter zu nehmen…

 

Meine Meinung

 

Margaret Atwoods Roman „Hexensaat“ ist bereits das vierte Buch aus der Hogarth Shakespeare Reihe, in der zu Ehren seines 400. Todestages am 23. April 2016 einige seiner Werke im modernen Gewand erstrahlen. Kürzlich habe ich bereits mit „Die störrische Braut“ die neu erzählte Geschichte von Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ gelesen und war von der frischen Komödie begeistert.

Neugierig geworden, habe ich mir mit dem Roman„Hexensaat“ von Margaret Atwood die Adaption von Shakespeares „Der Sturm“ zur Hand genommen. Das Cover passt mit der Farbgestaltung rot und schwarz sehr gut zum düsteren und rachelüsternen Inhalt. Der Titel „Hexensaat“ sowie der Titel des adaptierten Werkes „Der Sturm“ finden sich auf Vorder- und Rückseite des Buchumschlages.

 

"Es war sein Taj Mahal, ein überladenes Mausoleum zu Ehren eines geliebten Schattens, oder eine Urne, die mit Juwelen von unschätzbarem Wert besetzt war und doch nur Asche enthielt." (Seite 25)

 

Zum ersten Mal habe ich nun ein Buch der großartigen Margaret Atwood gelesen und ich kann getrost unterstreichen, dass man sie tatsächlich in die Riege der großen Schriftsteller einreihen kann. Der mitreisende Erzählstil und ihre treffsichere, pointierte Sprache haben mich auf Anhieb für sich eingenommen.

 

In ihrem Roman wird Shakespeares Werk „Der Sturm“ zu einem großen Bestandteil der Handlung, denn die Geschichte des Zauberers Prospero soll als Theaterstück aufgeführt werden und wird somit von allen Blickwinkeln durchleuchtet. Sehr gelungen fand ich die Auswahl des Gefängnisses als Kulisse und Felix einsamen Rückzugsort, der sich als perfektes Pendant zu Prosperos Insel entpuppt. Die Gefängnisinsassen stellen als Theaterschauspieler das passende Werkzeug bereit, um die Themen des Sturms aufzunehmen und in seine Einzelteile zu zerlegen.

 

"Verloren auf hoher See, treibt er hierhin und dorthin. In einem fauligen Wrack, das selbst die Ratten schon verlassen haben." (Seite 172)

 

Im Vordergrund steht zum Einen der fein gezeichnete und egozentrische Theaterregisseur Felix als moderner Prospero und zum Anderen das Theaterstück „Der Sturm“ als gespitzte Waffe für seine Rache. Felix polarisiert als Hauptprotagonist gegenüber den anderen Charakteren stark, so das diese bis zum Ende in seinem Schatten stehen. Leider waren sogar die kreativen und einfallsreichen Gefängnisschauspieler blass und boten nicht genügend Kontrast zu Felix. Star des Romans war für mich eindeutig die intensive Auseinandersetzung mit Shakespeares Werk und die interessanten Einblicke in den Entstehungsprozess eines Theaterstückes.

 

"Man erfährt so viel Zurückweisung, so viele Enttäuschungen, so viele Fehlschläge. Man braucht ein eisernes Herz, eine Haut aus Stahl, die Willenskraft eines Tigers, noch mehr sogar als Frau." (Seite 180)

 

Margaret Atwood ist es hervorragend gelungen sich mit den Kernstücken des Sturms auseinander zu setzen und diese in eine moderne und unterhaltsame Lektüre zu packen. Allerdings empfiehlt es sich die Geschichte und Charaktere aus Shakespeares „Der Sturm“ im Vorfeld zu kennen. Am besten man liest sich dafür die kurze Zusammenfassung am Ende des Romans durch oder hört sich das Hörbuch aus der Reihe „Shakespeare kurz und bündig“ an.

 

"Aber wenn man die Leiter einmal erklommen hat, welchen Nutzen hat sie dann noch? Man tritt sie beiseite, wenn man nicht vorhat, sie wieder hinunterzusteigen." (Seite 221)

 

Fazit

 

Rache, Vergeltung, Liebe und Illusion machen Atwoods Roman zur perfekten Adaption eines Shakespeare Klassikers.

Quelle: http://www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-hexensaat-von-margaret-atwood

Rezension | Das Dschungelbuch von Rudyard Kipling

Das Dschungelbuch - Rudyard Kipling, MinaLima Design, Wolf Harranth, Sonja Häußler

Beschreibung

 

Das Dschungelbuch ist eine Kurzgeschichtensammlung in der es um die Abenteuer des kleinen Menschenjungen Mowgli geht, der bei den Wölfen im Dschungel aufwächst und gegen den furchteinflößenden Tiger Shir Kahn kämpft. Aber auch die mitreisende Suche nach einer geschützten Heimat der weißen Robbe Kotick und die mutigen Taten des Mungos Rikki-tikki sowie die Erlebnisse des kleinen Toomai mit den Elefanten und die Lagergeschichte eines Heeres diverser Tiere finden ihren Platz im Dschungelbuch.

 

Meine Meinung

 

Die Geschichten Sammlung „Das Dschungelbuch“ des englischen Schriftstellers Rudyard Kipling erschien 1894 und wurde schon bald zu einem beliebten Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur.

 

Nachdem ich mich bereits in die prachtvollen Schmuckausgaben der Klassiker „Die Schöne und das Biest“ und „Peter Pan“, die von dem Designstudio MinaLima mit Illustrationen und interaktiven Extras gekonnt in Szene gesetzt wurden, verliebt hatte kam ich natürlich nicht am Dschungelbuch vorbei. (Im Frühjahr 2018 erscheint bei Harper Design übrigens eine weitere von MinaLima inszenierte Ausgabe, dieses Mal der Klassiker „Little Mermaid an Other Fairy Tales“ von Hans Christian Andersen. Bleibt zu hoffen, dass es zu dieser Ausgabe auch ein deutsches Pendant geben wird.)

Bisher waren mir nur einige filmische Adaptionen wie die von Walt Disney aus dem Jahre 1967 (übrigens der letzte von Walt Disney selbst produzierte Zeichentrickfilm) und die Realverfilmung von Disney aus dem Jahr 2016 bekannt. Umso gespannter war ich auf die Originalgeschichte des berühmten Autors und Nobelpreisträgers Rudyard Kipling.

 

Der größte Teil von Rudyard Kiplings Sammlung abenteuerlicher und exotischer Geschichten handelt tatsächlich von den Abenteuern die der Menschenjunge Mowglie im Dschungel erlebt. Als hilfloses kleines Menschenkind wird Mowgli von den Wölfen im Rudel aufgenommen doch für den Tiger Shir Kahn ist Mowgli einfach nur ein Leckerbissen. Vorerst ist Mowgli im Dschungel sicher und wird von seinen Freunde wie Baloo dem Bären und Baghira dem Panther in den Regeln des Dschungels unterrichtet.

 

"Es soll leben und mit dem Rudel laufen und jagen. Und zu guter Letzt – hör mir gut zu, du Kinderfänger, du Froschfresser, du Fischschlucker -, zu guter Letzt soll es dich jagen." (Seite 21)

 

Rudyard Kiplings Erzählung über Mowglie und Co. ist nicht ganz so fröhlich wie Walt Disneys Interpretation, sie ist weitaus tiefgründiger und stimmt auch nachdenklich. Außerdem hat mich die Schlange Kaa überrascht (mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.)

 

In den folgenden Geschichten schwimmt man mit der weißen Robbe Kotick durchs Meer und begegnet den unterschiedlichsten Meerestieren, fiebert bei den heldenhaften Kämpfen des Mungo Rikki-tikki gegen gefährliche Kobras mit, reitet mit dem kleinen Toomai auf Elefanten und lauscht der Unterhaltung von Maultieren, Pferden, Kamelen und Ochsen die Teil eines Heeres sind.

 

Fazit

 

Farbenfrohe und außergewöhnlich exotische Abenteuer die durch diverse Extras zu einem mitreisenden Erlebnis werden.

Quelle: http://www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-das-dschungelbuch-von-rudyard-kipling

Rezension | Der Brief von Carolin Hagebölling

Der Brief: Roman - Carolin Hagebölling

Beschreibung

 

Die Journalistin Marie ist Anfang dreißig und lebt zusammen mit ihrer Lebenspartnerin Johanna in Hamburg. Das Leben läuft gerade ganz gut, doch dann erhält Marie einen Brief der alles auf den Kopf stellt. Der Brief stammt allem Anschein nach von Maries Jugendfreundin Christine, ist jedoch an eine Anschrift in Paris adressiert und enthält einen verstörenden Text, der die Realität unterschiedlicher Leben ineinander verschwimmen lässt.

 

In dieser Realität lebt Marie mit ihrem Freund Victor in Paris, arbeitet in einer Kunstgalerie und leidet an einer schweren Krankheit. Um heraus zu finden was hinter den mysteriösen Briefen steckt reist Marie nach Paris…

Meine Meinung

 

Carolin Hageböllings Debütroman „Der Brief“ hat mich auf den ersten Blick angesprochen und die Kurzbeschreibung hat ihr Übriges getan um meine Neugierde vollends zu entfachen. Die Covergestaltung des broschierten Werkes gefällt mir sehr gut, da sie sogleich ein Gefühl von Fernweh und schönen Reiseerinnerungen wach werden lässt. Auch die weitere Aufmachung ist äußerst gelungen, die etwas stärker gehaltenen Seiten fühlen sich schön griffig an und durch die etwas größere Schrift fliegt man geradezu durch die Seiten und ein hübsches Anker-Eiffelturm-Symbol kündigt das jeweilige Kapitel an.

 

»Die Realität ist eine Frage der Wahrnehmung, nicht der Wahrheit.« (Seite 51)

Im Mittelpunkt steht das beschauliche Leben der Journalistin Marie, die mit ihrer großen Liebe Johanna in Hamburg lebt und arbeitet. Als Marie einen mysteriösen Brief von ihrer ehemaligen Schulfreundin erhält, der an eine Anschrift in Paris adressiert ist und dessen Inhalt keinerlei Sinn ergibt, nimmt die Story zu einem frühen Zeitpunkt bereits an Fahrt auf.

 

Ich möchte euch gar nicht zuviel von dem Inhalt verraten, so dass euch die Spannung erhalten bleibt. Deshalb nur soviel: Marie lebt nicht in Paris, sondern in Hamburg, weiß nichts über ein Aneurysma und kennt keinen Victor. Um die Herkunft sowie den rätselhaften Inhalt des Briefes auf den Zahn zu fühlen nimmt Marie wieder Kontakt zu ihrer damaligen Schulfreundin auf und reist nach Paris.

 

"Mit jedem Atemzug, jedem Augenaufschlag und jeder kleinen Bewegung geriet ich stärker in den Bann dieses pulsierenden Kosmos, der meine Einsamkeit umarmte und meine Sehnsucht verschlang. Paris hatte mich verzaubert." (Seite 79)

 

 Im Laufe des Plots verschwimmen die Linien zwischen der Realität in Hamburg und der „fiktiven“ Realität in Paris immer mehr. Die Atmosphäre wirkt gerade während Maries Zeit in Paris regelrecht aufgeladen an, und sorgte bei mir für Gänsehaut! Die grundlegende Frage die Carolin Hageböllings Roman „Der Brief“ aufwirft, »Was wäre, wenn man an bestimmten Punkten des Lebens andere Entscheidungen getroffen hätte, und wie sähe das Leben dann jetzt aus?«

 

Die Protagonisten rücken bei diesem Gedankenexperiment eher in den Hintergrund. Marie, Johanna und Co. wirken wie Statisten die ihren Zweck erfüllen, austauschbar und konturlos. Leider ist es dadurch schwer, sich mit den Charakteren zu identifizieren um eine emotionale, tiefer gehende Bindung aufzubauen.

 

Das Ende der Geschichte wurde offen gelassen und bietet somit genügend Spielraum für eigene Gedanken, Wünsche und Phantasien. Mir persönlich hat diese Lösung sehr gut gefallen, da ich sie einfach sehr passend zu diesem spielerisch, experimentellen Roman fand.

 

»…wenn es nur eine Wahrheit gäbe, könnte man nicht hundert Bilder dazu malen.« (Seite 88)

 

Die Kehrseite der Medaille ist, dass Fragen aufgeworfen und nicht beantwortet werden. Leser die einen logischen und runden Abschluss bevorzugen, könnten bei dieser Art von Roman den Buchdeckel unbefriedigt schließen.

 

Fazit

 

Ein Debütroman der die Gedanken fliegen lässt.

Quelle: http://www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-der-brief-von-carolin-hageboelling