Rezension | Babylon von Yasmina Reza

Babylon: Roman - Yasmina Reza, Frank Heibert, Hinrich Schmidt-Henkel

Beschreibung

 

Elisabeth gibt zum ersten Mal in ihrem Leben eine Party. Es fehlt ihr daher nicht nur an Gläsern sondern auch an Stühlen. Wieso diese also nicht von den Nachbarn, Jean-Lino und Lydie, einen Stock höher ausleihen? Selbstverständlich werden diese dann auch zur Party eingeladen. Trotz der ganzen Aufregung läuft die Frühlingsfeier ganz gut, bis es durch ein Bio-Hühnchen zu Spannungen zwischen Jean-Lino und Lydie kommt.

 

Alle Gäste sind aufgebrochen, Elisabeth und ihr Mann Pierre zu Bett gegangen – es klingelt an der Wohnungstür. Völlig aufgelöst steht Jean-Lino da und berichtet, dass er seine Frau erwürgt hat. Um sich von dem Unglaublichen zu überzeugen, gehen Elisabeth und Pierre in die Wohnung über ihnen. Jean-Lino bittet Elisabeth um Hilfe.

 

Meine Meinung

 

Die französische Schriftstellerin Yasmina Reza ist nich nur durch ihre Romane, sondern auch durch ihre erfolgreichen Theaterstücke wie z. B. „Der Gott des Gemetzels“ bekannt. Laut ersten Rezensionen hält sich Yasmina Reza auch in ihrem neuen Roman „Babylon“ an ihrem altbekannten Erfolgsrezept fest. Bisher ist mir nur die Filmversion von „Der Gott des Gemetzels“ bekannt, ihre Bücher habe ich bisher nicht gelesen – daher kann ich dazu keine Aussage treffen.

 

"Alles ist ungewiss. Das ist eine Grundkonstante des Daseins." [Seite 20 (epub Version)]

 

Die Autorin führt den Leser gekonnt in eine völlig alltägliche Lebenssituation mit authentischen Charakteren. Elisabeth lebt mit ihrem Mann Pierre im 17. Arrondissement in Deuil-l’Alouette und ist als Gastgeberin ihrer ersten Frühlingsparty ziemlich aufgeregt. Die Feier verläuft in ganz normalen Bahnen, es wird geplaudert, getrunken und gespeist – bis ihr Nachbar Jean-Lino zur Erheiterung der Gesellschaft eine Anekdote über Bio-Hühnchen beisteuert. Die Situation eskaliert. Das ganze Ausmaß der aus dem Ruder gelaufenen Situation wird jedoch erst später klar, als Jean-Lino beichtet seine Frau erwürgt zu haben.

 

Die Spannung des Romans ergibt sich hierbei nicht aus der Tat oder Auflösung des Tathergangs, sondern aus der urkomischen Alltagssituation die einen sogartig erfasst. Mit einem Augenzwinkern zeigt Yasmina Reza neben der alltäglichen Belanglosikeit menschliche Abgründe auf und spinnt ein einzigartiges Beziehungsnetz.

 

Rezas pointierte Dialoge verleihen dem Werk eine lebhafte Atmosphäre, die einem Theatererlebnis gleicht. In „Babylon“ wird klar, wie dünn die Schicht zwischen beherrschter Bourgeoisie und den wahren Tiefen der Menschlichkeit ist. Schon der kleinste Riss löst Chaos aus – genau so eine Situation hat Yasmina Reza in Perfektion zu Papier gebracht. Das Schönste an der Geschichte – man kann sich wunderbar in Plot und Protagonisten hineinversetzen da sie so alltäglich und unaufgeregt daher kommen. Ein jeder könnte dies erleben und sich selbst von der tragischen Dramatik dieser ungewollt komischen Szenerie überzeugen.

 

"Die Sprache drückt nichts anderes aus als die Unfähigkeit, sich mitzuteilen." [Seite 63 (epub Version)]

 

Fazit

 

Ein unterhaltsamer Roman über Menschen, menschliche Abgründe und deren Beziehungen.

Quelle: http://www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-babylon-von-yasmina-reza