Rezension | "Linna singt" von Bettina Belitz

Linna singt - Bettina Belitz

Beschreibung

 

Seit der Bandauflösung von Linna singt vor fünf Jahren hat Linna ihre alten Freunde und Bandkollegen nicht mehr gesehen. Die Band soll jedoch wieder belebt werden und so trifft Linna wieder auf Maggie, Jules, Simon und Falk. Schon bald muss Linna feststellen, dass sich ihre Freunde sehr verändert haben. Jules hat seine Kreativität gegen eine langweilige Arbeit eingetauscht, Maggie scheint noch zickiger geworden zu sein und Simon ist zu einem richtigen Langeweiler mutiert während Falk attraktiver und um einiges selbstbewusster als früher ist.

 

Zum Proben fahren die Freunde gemeinsam mit Tobi, der schon früher bei Auftritten ausgeholfen hat, zu einer einsamen Hütte in den Bergen. Aufgrund der großen Schneemassen können sie so gut wie kein Equipment mit auf die Hütte nehmen und keiner ahnt das Linna seit damals nicht mehr gesungen hat.

Meine Meinung

 

Nachdem ich voller Begeisterung Bettina Belitz Splitterherz Trilogie verfolgt habe war ich nun äußerst gespannt auf den neuen Roman aus ihrer Feder. Mit "Linna singt" betritt Bettina Belitz neues Terrain, denn dieses Mal landet man nicht in einer Welt mit paranormalen Wesen. Die Geschichte spiel in der Realität und schnell wird klar, dass die Realität härter und beängstigender sein kann als Fiktion.

 

Über die Handlung möchte ich nicht soviel verraten, da ich die Grundhandlung schon in der Kurzbeschreibung verraten habe, und sich der Rest aus der Ergründung der verschiedenen Charaktere und ihrer Vergangenheit sowie den Beziehungen zwischen ihnen zusammensetzt. Soviel sei jedoch verraten: es wird packende Spannung, gruselige Momente und mitreisenden Emotionen geben. "Linna singt" ist nichts für schwache Nerven denn je mehr weiter man liest desto mehr entwickelt sich der Roman zu einem Psychothriller der sprachlos macht.

 

Linna ist eine herausragende Hauptprotagonistin die vor allem durch die Ich-Perspektive hervorgehoben wird. Als Leser kann man diesen Roman nur lieben wenn man sich auf Linna einlassen und von seinen eigenen Gedanken und Gefühlen loslassen kann. Ich habe mich vollkommen fallen lassen und war stellenweise so paralysiert von Linnas Geschichte das ich ein paar Lesepausen einlegen musste um das Gelesene zu verarbeiten.

 

Besonders faszinierend ist die Zusammenstellung der unterschiedlichen Charaktere die man nach und nach kennen, einige von ihnen lieben, andere von ihnen hassen lernt. Linna ist mir nicht auf Anhieb symphatisch und macht es mir zunächst schwer sie einschätzen zu können, doch je mehr ich über sie, ihre Gefühle, und ihre Vergangenheit erfahre desto mehr kann ich verstehen warum sie so ist wie sie ist. Obwohl ich Maggie, Jules und Simon auch ziemlich interessant finde konnte keiner von ihnen Falk das Wasser reichen. Als er seine Persönlichkeit entfaltete gab es nur noch für seine Aura Platz. Veständlich das Linna ihn liebt. Die Beiden sind wie Feuer und Wasser – was sich in ihrer Beziehung zueinander spiegelt und eine knisternde Atmosphäre entstehen lässt.

 

Hinter "Linna singt" steckt eine tiefgründige Geschichte die an menschliche Abgründe heranführt und mich sehr berührt hat.

 

Als unten die letzte Tür zuklappt und nur noch das Heulen des Schneesturms zu hören ist, stehe ich auf, streiche meinen Pulli und meine Hose glatt, binde meine Haare zu einem ordentlichen Zopf, gehe in die Stube hinab, esse und trinke etwas, benutze das eiskalte Klo, wasche mir die Hände, krieche steif unter meine schwere Bettdecke und wünsche mir, mein Körper würde endlich begreifen, dass meine Seele heute Abend gestorben ist.

("Linna singt", Seite 132/133)

 

Bettina Belitz Schreibstil überzeugt mich vor allem durch lebhafte Beschreibungen, gut ausgearbeiteten Figuren und einer bildhaften Hintergrundkulisse. Ich kann euch nur empfehlen öffnet euch und lasst euch mit Haut und Haaren auf dieses besondere Buch ein! Ich vergebe 5 Grinsekatzen plus Stern.

 

Hier noch ein paar Zitate, die meiner Meinung nach die Stimmung des Romans gut wiedergeben:

 

Ich habe mein Leben vergeudet, um mich nach fünf ereignislosen Jahren auf einer eingeschneiten Hütte wiederzufinden und festzustellen, dass ich noch immer in dem gleichen klebrigen Netz hänge wie damals.

("Linna singt", Seite 305)

 

Seine Worte treffen mich wie ein Blitz. Ich habe das Gefühl, in Flammen zu stehen, als ich mich umdrehe und blind vor Hitze nach meiner Türklinke suche. Erst als ich in meinem Zimmer stehe und den Handrücken gegen den Mund presse, um den Jauchzer zu unterdrücken, der meinen Buch zum beben bringt, begreife ich die Tragweite seiner Worte und auch, dass ich mich verhalten habe wie ein flüchtendes Reh.

("Linna singt", Seite 381)

 

Ich bin froh, ich bin traurig, ich fühle mich ängstlich und mutig, verzweifelt und erlöst, jung und alt. Geläutert und voll brennender Fragen. Vergangen und ewig zugleich. Aber ich bin nicht mehr allein.

("Linna singt", Seite 505)

 

Über die Autorin

 

Bettina Belitz wurde am 21. September 1973 in Heidelberg geboren, studierte von 1993 bis 2001 Germanistik und Geschichte in Mainz, dann Magister in Heidelberg und Mannheim. Von 1996 bis 2001 arbeitet Bettina Belitz als freie Journalistin bei der Tageszeitung >>Die Rheinlandpfalz<< und absolvierte schließlich ihre Volantariat. Zwischen 2003 und 2005 arbeitete Bettina Belitz als Redakteurin, freie Journalistin und Texterin für verschiedene Auftraggeber. 2007 zog sie mit ihrem Sohn in ein 400-Seelendorf im Westerwald.

 

Schon früh verliebte sich Bettina Belitz in die magische Welt der Bücher und begann in jungen Jahren selbst Geschichten zu schreiben, was sie 2008 zu ihrem Beruf machte als eine Agentin Bettina Belitz Blog entdeckte und somit den Weg für ihren Debütroman >>Splitterherz<< ebnete.

 

Fazit

 

Ein tiefgründiges und äußerst intensives Leseerlebnis mit Gänsehautfaktor!

Quelle: http://www.bellaswonderworld.de